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Wichtige „Population Studies“ des BiB für Politik und Gesellschaft

Wichtige „Population Studies“ des BiB für Politik und Gesellschaft

MIL OSI – Source: Federal Institute for Population Research – BIB –

Headline: Wichtige „Population Studies“ des BiB für Politik und Gesellschaft

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat eine neue Amtsleiterin. In einem Interview äußert sich die neue Direktorin C. Katharina Spieß zu ihrem Wechsel an das BiB und gibt einen Ausblick zur künftigen Ausrichtung des Instituts.

Die neue Direktorin übernimmt das BiB-Steuer: Prof. Dr. C. Katharina Spieß. Quelle: Peter-Paul Weiler/BiB
Am 1. Oktober 2021 hat Prof. Dr. C. Katharina Spieß die Leitung des BiB übernommen. Mit ihrem Wechsel nach Wiesbaden wurde sie auch auf eine Professur für Bevölkerungsökonomie an der Johannes Gutenberg Universtität Mainz berufen. Zuvor leitete die Volkswirtin die Abteilung Bildung und Familie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Zudem hat sie an der Freien Universität Berlin die Professur für Bildungs- und Familienökonomie inne. Im Zentrum ihres Forschungsinteresses stehen vor allem bildungs- und familienwissenschaftliche Fragestellungen. So hat sie zusammen mit Kolleginnen und Kollegen gerade Studien veröffentlicht, in denen sie vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie untersucht, wie Frauen und Männer zur Erwerbstätigkeit von Müttern stehen oder wie sich die Lebenszufriedenheit von Eltern während der Pandemie entwickelt hat. Im Interview äußert sie sich zu ihrem Wechsel an das BiB und gibt einen Ausblick zur künftigen Ausrichtung des Instituts.
Frau Prof. Dr. Spieß, was gab für Sie den Ausschlag, an das BiB zu wechseln?
Die kurze Antwort ist: Weil ich mich schon seit meinem Studium in Mannheim und die ganzen Jahre danach mit bevölkerungswissenschaftlichen Themen befasst habe, auch wenn der Schwerpunkt dabei primär auf bevölkerungsökonomischen Fragestellungen lag. Die ausführlichere Antwort ist, dass ich als Ökonomin an der Schnittstelle zur Soziologie, Psychologie, Geographie und zu den Bildungswissenschaften arbeite und mit vielen Kolleginnen und Kollegen in diesen Feldern im Austausch stehe und gemeinsam Forschungsprojekte realisiere. Das BiB ist für mich aus vielerlei Gründen attraktiv: Dort werden seit vielen Jahren Themen bearbeitet, welche sich mit meiner Forschung überschneiden. Zudem ist es an der Schnittstelle zwischen Forschung und Politikberatung angesiedelt– ein Spagat, den ich schon seit vielen Jahren gerne immer wieder versuche. Außerdem ist das BiB-Team ein sehr dynamisches, das in den letzten Jahren gezeigt hat, wie sich ein Institut weiterentwickeln kann. Ferner freue ich mich nach über 20 Jahren am DIW in Berlin und mit nunmehr sehr selbständigen Kindern auf neue Herausforderungen – solche, die es mir ermöglichen, meine bisherigen Erfahrungen in der Forschung, Politikberatung und Öffentlichkeitsarbeit in die Leitung eines Forschungsinstituts einzubringen.
Wo sehen Sie thematische Überschneidungen Ihrer bisherigen Forschungsarbeit mit den Forschungsthemen am BiB?
Unbestritten ist, dass es große Überschneidungen im Bereich der Familienforschung gibt. In den letzten Jahren habe ich mich darüber hinaus zunehmend mit Fragen der Migration und Zuwanderung nach Deutschland befasst, einem weiteren Schwerpunkt am BiB. Auch wenn es schon etwas länger her ist, habe ich am Anfang meiner wissenschaftlichen Karriere intensiv zu Fragen der Alterung geforscht. Viele Jahre durfte ich beim Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am DIW außerdem lernen, wie Surveyforschung funktioniert und gemanagt wird. Sie sehen also, dass ich an die vielen Themen des BiB gut anknüpfen kann – auch wenn es Bereiche gibt, bei denen ich neues Terrain betreten werde, worauf ich mich aber schon sehr freue. Wie die Alternsforscherinnen und Alternsforscher am BiB ja nur zu gut wissen, geht es beim gelungenen Altern darum, immer wieder Neues zu lernen – das gilt ebenso für mich als neue BiB-Direktorin.
Als Mitglied des Kuratoriums haben Sie die Entwicklung des BiB wissenschaftlich begleitet. Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Außenwahrnehmung des Instituts in den letzten Jahren verändert?
Ich bin seit 2013 Mitglied des Kuratoriums des BiB und konnte dadurch sehr gut mitverfolgen, wie sich das Institut in den letzten Jahren zu einem sichtbareren Player in der deutschen und europäischen Forschungslandschaft entwickelt hat. Dadurch, dass viele junge Forscherinnen und Forscher für das BiB gewonnen wurden, die teilweise internationale Erfahrungen mitbringen, hat sich das Institut in der Außenwahrnehmung sehr verjüngt. Ein wichtigerer Aspekt dabei ist, dass damit neue Forschungsexpertise ans Institut gekommen ist, die in Kombination mit dem vorhandenen langjährigen Fachwissen das Institut anschlussfähig an die gegenwärtige Bevölkerungsforschung macht – die so vielseitig ist wie das BiB. Wichtig ist in der Außenwahrnehmung, dass das BiB kein reines Forschungsinstitut für Demographie ist, vielmehr geht es – wenn wir es mal international betrachten – um „Population Studies“, einem Feld der Sozialwissenschaft, das für viele zentrale Fragen der Zukunft wichtige Analysen und Antworten bereitstellt. „Population Studies“ auf hohem wissenschaftlichen Niveau zu betreiben und die Erkenntnisse daraus adressatengerecht an die Politik und die Gesellschaft weiterzugeben, darin sehe ich die zentrale Aufgabe des BiB, an der wir auch künftig arbeiten werden.
Wo sehen Sie Potenzial für eine wissenschaftliche Weiterentwicklung beziehungsweise thematische Veränderungen?
Mit den drei Forschungsbereichen am BiB sind zentrale bevölkerungswissenschaftliche Themen abgedeckt.
Mit Großprojekten wie FReDA, TransFAR oder dem Bereich der NAKO Gesundheitsstudie, der am BiB angesiedelt ist, leistet das Institut einen wichtigen Beitrag für die Dateninfrastruktur in Deutschland und darüber hinaus. Die Bedeutung von Bildung zum Beispiel für demographische Ereignisse im Lebensverlauf wurde bisher am BiB allerdings nur vereinzelt betrachtet. Hier möchte ich als Bildungsforscherin einen stärkeren Akzent setzen. Dabei soll es darum gehen, welche Bedeutung Bildung für Fertilität, Migration, Mobilität, Alterungsprozesse und Mortalität hat. Hierzu liegen vielfache korrelative Analysen vor, ich möchte aber stärker darauf abzielen, welche kausalen Wirkungen wir messen können, um damit der Politik empirisch fundierte Hinweise darauf zu geben, wie durch Investitionen in Bildung dem demographischen Wandel begegnet werden kann. Es geht darum, in die „Black Box“ reinzuschauen und vermehrt nach den Mechanismen von Wirkungsketten zu fragen. Da wissen wir schon einiges, aber es gibt immer noch viele Bereiche, die nicht oder noch nicht ausreichend erforscht sind.
Eines meiner langjährigen Forschungsthemen, die frühe Bildung und Betreuung, ist unter bevölkerungswissenschaftlicher Perspektive von ganz besonderer Bedeutung. Dabei geht es zum Beispiel um Investitionen in diesen Bereich, die dazu beitragen, dass sehr früh Bildungspotentiale erkannt und weiterentwickelt werden. Als alternde Gesellschaft müssen wir uns vermehrt über Investitionen in unser Humanvermögen bemühen und zwar so, dass diese zielgerichtet Potenziale ausschöpfen.Neben dieser Schwerpunktsetzung ist es mir ein großes Anliegen, die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Forschungsbereiche noch weiter zu vertiefen: Wie gestaltet sich z. B. die häusliche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern bei Familien mit Flucht- und Migrationshintergrund? Welche Auswirkungen hat die Großelternbetreuung auf die nächsten Generationen und welche Mechanismen liegen diesen Effekten zu Grunde?
Außerdem möchte ich die internationale Sichtbarkeit des BiB noch weiter erhöhen – aus internationaler Perspektive hat das BiB so viel zu bieten, dass wir in einen noch intensiveren Austausch mit internationalen Kolleginnen und Kollegen treten werden. Das hilft letztlich auch dabei, die Politikberatung zu verbessern, die sich ja nicht nur im deutschen Kontext bewegen soll.
Alle weiteren Ideen verrate ich zunächst mal nur dem BiB-Team – lassen Sie sich überraschen!