Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandBranche nicht auf Kurs für Klimaschutz
Das Gros der Kreuzfahrtbranche ist weit davon entfernt, die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zu erfüllen. Das ist das Ergebnis des NABU-Kreuzfahrtrankings 2020, das die größten Anbieter auf dem europäischen Markt zu ihren Kimaschutzmaßnahmen befragt hat.
MSC entwickelt bereits umweltverträgliche Antriebe. – Foto: unsplash/Claudio Schwarz
10. September 2020 – Kaum eine Kreuzfahrt-Reederei hat derzeit eine konkrete Strategie, um den konsequenten Umbau der Flotte in Richtung emissionsfreiem Betrieb voranzutreiben. Das ergab die Abfrage bei den 18 größten Kreuzfahrt-Anbietern auf dem europäischen Markt. Allenfalls einzelne Unternehmen, wie Ponant, AIDA und MSC haben die Entwicklung entsprechender umweltschonender Antriebe bereits begonnen und teilweise sogar in Pilotprojekten zum Einsatz gebracht. Auch prominente Anbieter aus Deutschland wie TUI Cruises oder Hapag-Lloyd Cruises stellen sich noch nicht der Herausforderung des Klimaschutzes. Zusammen mit dem norwegischen Anbieter Hurtigruten schneiden sie aber selbst mit vergleichsweise kleinen Schritten für besseren Klimaschutz deutlich besser ab als der Branchenschnitt.
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Kreuzfahrtranking 2020 (zum Vergrößern klicken) – eine vollständige Liste und die Legende finden Sie hier
Der Branche läuft die Zeit davon, um 2050 vollständig emissionsfrei unterwegs zu sein
Klimaschutz in der Kreuzschifffahrt scheint derzeit vor allem ein Lippenbekenntnis zu sein. Neun von fünfzehn Anbietern bekennen sich zwar auf Nachfrage zu den Pariser Klimazielen, haben aber keine nachvollziehbare Strategie, wie die Ziele erreicht werden können. Da überrascht es nicht, dass es bei der Umsetzung noch mehr hapert.Mit Blick auf die durch das Corona-Virus bedingte Krise der Branche sollten keine bereits in Aussicht gestellten Investitionen in den Klimaschutz zurückgestellt werden. Die bislang erfolgsverwöhnte Branche sollte die Zwangspause nutzen, um sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, unter welchen Vorzeichen die Kreuzfahrt eine Zukunft haben kann. Auch die Politik muss eingreifen, Umwelt- und Klimaschutzauflagen sollten zur Voraussetzung für staatliche Hilfen werden. Auf europäischer Ebene nehmen Regulierungen Gestalt an, die die Schifffahrt in den Emissionshandel einbeziehen und die Steuerbefreiung mariner Kraftstoffe abschaffen werden. Der Druck auf die Anbieter wird größer werden. Zu lange hat man es der Industrie selbst überlassen, zu entscheiden, ob und welchen Beitrag zum Klimaschutz sie leisten möchte – mit bekanntem Ergebnis.
NABU Vision für eine emissionsfreie Kreuzschifffahrt 2050
Grundlage für das Kreuzfahrtranking 2020 ist die NABU Vision für eine emissionsfreie Kreuzschifffahrt im Jahr 2050. Der dreistufige Fahrplan benennt Maßnahmen, um den Anforderungen des Klimaschutzes gerecht zu werden. So müsse etwa in den kommenden drei Jahren der Abschied vom giftigen Schweröl, die Entwicklung einer individuellen Klimastrategie, die Nutzung von Landstrom umgesetzt werden. Bis zum Jahr 2030 müsse das erste emissionsfreie Schiff in Betrieb gehen und ein Null-Emissionsstandard für sämtliche Neubauten greifen. Auch die Nachrüstung der Bestandsflotte mit entsprechenden Technologien müsse vorangetrieben werden. Damit blieben noch 20 Jahre, um bis zur Mitte des Jahrhunderts vollständig emissionsfrei unterwegs sein zu können.Von all diesen Schritten würden auch die Hafenstädten profitieren, denn Landstrom zum Beispiel ermöglicht die Nutzung erneuerbarer Energien beim Betrieb der Schiffe im Hafen. Doch dafür reicht die Bereitstellung der Infrastruktur in den Häfen allein nicht aus. Die Reeder müssen zeigen, dass sie es ernst meinen, indem sie ihre Schiffe mit entsprechenden Anschlüssen nachrüsten und sich verpflichten, den grünen Strom abzunehmen. Eine EU-weite Landstrompflicht würde die zwingend notwendige Entwicklung vorantreiben und den Hafenstädten eine Sicherheit für die zu leistenden Investitionen geben.
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